Was bedeutet „We serve“ in einer Zeit, in der gesellschaftliche Gräben tiefer werden, junge Menschen andere Erwartungen haben und ehrenamtliches Engagement längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist?
Mit dieser Frage begann die 1. Distriktversammlung des Distrikts 111-BN in der Würzburger Musikhochschule. Und sie zog sich wie ein roter Faden durch einen Tag voller Begegnungen, Diskussionen und neuer Impulse. Wer eine klassische Versammlung mit Berichten, Zahlen und Formalien erwartet hatte, wurde überrascht. Zwar standen Wahlen, Finanzthemen und die Arbeit des Distrikts auf der Tagesordnung. Doch der eigentliche Schwerpunkt lag woanders: beim Nachdenken über die Zukunft von Lions und über die Frage, welche Verantwortung Service-Clubs in einer sich wandelnden Gesellschaft übernehmen müssen. In ihrer Eröffnungsrede verzichtete Distrikt-Governorin Dagmar Kröplin auf lange Zahlenkolonnen. Stattdessen sprach sie über gesellschaftliche Entwicklungen, über den Wert unserer Demokratie und darüber, dass Lions nicht nur handeln, sondern auch sichtbar machen sollten, was sie bewegen.
Helfen allein reiche nicht aus, lautete eine ihrer zentralen Botschaften. Wer Gutes tut, müsse darüber sprechen. Nicht aus Selbstzweck, sondern weil jede erzählte Geschichte eine Geschichte der Hilfsbereitschaft ist. Die Geschichte eines Kindes, das eine Brille erhält. Die Geschichte einer Familie, die Unterstützung erfährt. Die Geschichte eines Menschen, der in einer schweren Lebensphase nicht allein bleibt.
Ebenso eindringlich war ihr Blick nach vorn. Wie gelingt es, junge Menschen einzubinden? Wie geben wir ihnen Verantwortung statt lediglich einen Platz am Rand? Und vor allem: Wer wollen wir als Lions in zehn oder zwanzig Jahren sein?
Diese Fragen blieben nicht im Raum stehen. Sie wurden am Nachmittag in fünf Workshops weitergeführt. Dort diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Öffentlichkeitsarbeit, Schulungsangebote, Förderprojekte, die Zukunft der LEOs und die Entwicklung eines neuen Leitbildes für Lions in Deutschland. Überall ging es um dieselbe Herausforderung: Bewährtes bewahren und gleichzeitig offen für Neues bleiben.
Zu den eindrucksvollsten Momenten des Tages gehörte die Keynote von Prof. Dr.Dr.med. Andreas Beilhackvom Universitätsklinikum Würzburg. Gemeinsam mit Gabriele Nelkenstock vom Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V.“ sprach er über aktuelle Entwicklungen der Krebsforschung, neue Therapien und Perspektiven für Betroffene. Dabei beeindruckte weniger die wissenschaftliche Komplexität als die Art, wie sie vermittelt wurde. Verständlich, nahbar und mit spürbarer Leidenschaft schilderte Dr. Beilhack, welche Fortschritte die Medizin heute macht und wie entscheidend zugleich menschliche Unterstützung bleibt. Forschung, Hoffnung und Mitmenschlichkeit wurden an diesem Vormittag greifbar.
Damit schlug der Vortrag die Brücke zum Abend.
Denn nach dem offiziellen Ende der Distriktversammlung verwandelte sich die Musikhochschule in einen Konzertsaal. Unter dem Titel „Piazzolla meets Gershwin“ kamen Lions, Gäste sowie Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Würzburg zusammen, um Musik und soziales Engagement miteinander zu verbinden.
Der Erlös des Benefizkonzerts ging an den Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V.“. Jede Eintrittskarte und jede Spende unterstützte damit Menschen, die sich in einer der schwierigsten Situationen ihres Lebens befinden. Die Hilfe, über die am Vormittag gesprochen wurde, bekam am Abend ein konkretes Gesicht.
Vielleicht war genau das das Besondere dieses Tages.
Es wurde nicht nur über die Zukunft von Lions diskutiert. Es wurde nicht nur über gesellschaftliche Verantwortung gesprochen. Beides wurde unmittelbar gelebt.
Am Ende blieb daher mehr als das Ergebnis einer Distriktversammlung. Es blieb die Erkenntnis, dass „We serve“ mehr ist als ein Leitspruch. Es ist ein täglicher Anspruch: hinschauen, zuhören, handeln und die eigenen Geschichten auch weitererzählen.
Nicht irgendwann. Jetzt.








